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Cover: Was ist der 'Sprachinstinkt'?

Stefan Schaden:
Was ist der "Sprachinstinkt"?

Ein Kommentar zu Steven Pinkers linguistischem Beststeller und seinen sprach- und kommunikationstheoretischen Grundlagen.

(Essener Studien zur Semiotik und Kommunikationsforschung, Band 7)

Aachen: Shaker Verlag, 2003
166 Seiten, 24,80 EUR
ISBN 3-8322-2172-7

Über das Buch

Steven Pinkers Mitte der 1990er Jahre erschienenes Buch "Der Sprachinstinkt" gehört zu den wenigen (sprach-)wissenschaftlichen Büchern, die nicht nur akademische Fachkreise, sondern auch die Bestsellerlisten erreicht haben. Es wurde sowohl von Rezensenten als auch vom einem breiten Publikum äußerst wohlwollend aufgenommen, in viele Sprachen übersetzt und weltweit unzählige Male verkauft.

Die Kernfrage lautet dabei: Ist Sprache ein dem Menschen angeborenes Vermögen? Pinkers Antwort scheint eindeutig schon im Titel seines Buches formuliert: Der Sprachinstinkt umreißt in äußerst pointierter Form sämtliche Grundannahmen eines linguistischen 'Nativismus', wie er sich insbesondere unter dem Einfluß der Arbeiten Noam Chomskys im Laufe der letzten ca. 50 Jahre entwickelt hat. Die These lautet dabei, daß Sprache ein biologisches Merkmal sei, welches der Spezies Homo sapiens in Form einer angeborenen und einheitlichen 'Universalgrammatik' zur Verfügung steht. In kaum einem anderen Text zeichnen sich die Konturen dieser sprachtheoretischen Richtung so prägnant ab wie in Pinkers Buch.

"Der Sprachinstinkt" ist jedoch - und dies zu belegen ist das Anliegen des vorliegenden Buches - trotz oder gerade wegen der gelungenen populären Aufbereitung des Themas ein höchst problematischer Text. Tatsächlich nämlich läßt Pinker teils explizit, teils jedoch fast unbemerkt eine Reihe (sprach-) theoretischer Vorannahmen und Voraussetzungen einfließen, die keineswegs unstrittig und in hohem Maße klärungsbedürftig sind, aber ihrerseits erst die notwendige Grundlage seiner Argumentation bilden. Hierzu gehören z.B. die Vorstellung von der Sprache als ein Medium der Informationsübertragung, welches mittels eines präzisen und bei sachgemäßer Verwendung unfehlbaren Codes funktioniere, oder die Verkürzung des Gesamtphänomens 'Sprache' auf ihren syntaktisch-formalen Aspekt.

Beginnt man diese und andere Grundannahmen in Frage zu stellen, so entpuppt sich das, was sich zu Beginn von "Der Sprachinstinkt" als wissenschaftliche Revolution ankündigt, später lediglich als Aufarbeitung der generativistischen Sprachtheorie Chomskyscher Prägung (die jedoch in den 1990er Jahren kaum mehr als revolutionär gelten kann) und bleibt dort, wo es darüber hinaus geht, größtenteils spekulativ. Die argumentative Strategie Pinkers verläuft dabei im Kern so, daß zunächst der Sprachbegriff definitorisch so weit verkürzt wird, daß wesentliche Aspekte menschlicher Sprache ausgeblendet werden, um dann in einem nächsten Schritt den Nachweis zu führen, daß eben dieses reduzierte Vermögen die Form eines angeborenes kognitiven »Moduls« annimmt.

Im Laufe einer ausführlichen, systematischen Diskussion von "Der Sprachinstinkt" werden die von Pinker vorgetragenen sprach- bzw. kommunikationstheoretischen Ansichten herausgearbeitet und einer kritischen Betrachtung unterzogen. Hierbei erweist sich, daß wesentliche Defizite der Theorie Pinkers bereits in der Konzeption von Sprache angelegt sind, auf die sie sich gründet. Es besteht daher Anlaß, der These vom 'Sprachinstinkt' mit größter Skepsis zu begegnen.